postfaktische Tage

+++ Bilder von Frau P. aus dem „Irgendwo im Nirgendwo“ 😉 -> DUD und HMÜ +++

Natürlich führe ich Selbstgespräche …

Mal ganz ehrlich: Wer macht das nicht ab und zu? Als Sternzeichen-Zwilling ist das bei mir bisweilen recht ausgeprägt. Dann unterhält sich das emotionale mit dem rationalen Ich, dann wir sinniert, und wenn die beiden anfangen sich zu siezen, dann wird’s ernst 😉

Na ja, wenn Mann, wie letzte Woche, fernab der Heimat irgendwo im Nirgendwo bei Regenwetter in einer FeWo hockt und kurzzeitige Besserung nicht abzusehen ist, dann ist die beste Zeit dazu 😉

Überhaupt: Das Wetter.:
Ich1: „Meier, meckre nicht, wir brauchen Regen. Jeden Tropfen. In diesem Frühjahr hat es wieder viel zu wenig geregnet.“
Ich2: „Will ich das jetzt wissen? Wieviel Regen wann wo gefallen ist? Ich habe jetzt ein paar Tage Urlaub. Also bleib mir weg mit Fakten über sinkende Grundwasserspiegel und so’n Klimagedöns!“

Das erinnert mich an zweierlei:
1. an den Spruch: „Verwirre mich nicht mit Fakten, meine Meinung steht fest!“ – und
2. an das Adjektiv postfaktisch, immerhin von der GfdS zum Wort des Jahres 2016 gekürt.
Wenn Mann sich also nicht mit irgendwelchen Fakten auseinandersetzen möchte, hat Mann seine postfaktischen Tage 😉

Es ist aber auch verwirrend. Daddele ich so aus lauter Langeweile auf meinem Ackerschnacker rum, von der einen Nachrichten-App zur nächsten, dann weiß ich wirklich nicht mehr, was noch Nachrichten- und was reiner Meinungs-Journalismus ist. Rein gefühlsmäßig frage ich mich so wie so, ob die in den bzw. durch die Medien erzeugte Meinung wirklich immer die des Volkes ist?

Ich 1: „Nicht immer. Denke an Corona im letzten Jahr, als es um die Lockerungen ging. Es gab eine von den Medien aufgegriffene Lobby dafür, Volksmeinung war trotzdem mehrheitlich eine andere.“
Ich 2: „Stimmt, und zu der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine haben ARD und ZDF zeitgleich zwei unterschiedliche Meinungsumfrageergebnisse veröffentlicht. Da konnte sich jeder aussuchen, was ihm passte.“

Ein Beispiel, weil mir das beim Daddeln besonders aufgefallen ist: Die Afrika-Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz vor eineinhalb Wochen, verbunden mit dem Werben für Unterstützung der Sanktionen gegen Russland. Vier Überschriften dazu aus verschiedenen großen Online-Zeitungen. Was macht welche Überschrift mit euch?

Wie gesagt, es handelt sich um dieselbe Reise und die Artikel dazu sind vom selben Tag. Weil das alles so ist wie es ist, hat kürzlich der Deutsche Presserat vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Krise die Medien zu journalistischer Sorgfalt und Verantwortung aufgerufen.

Last but not least: Der Kabarettist & Satiriker Hans Scheibner ist letzte Woche in Hamburg im Alter von 85 verstorben. Mach’s gut Hans, deine scharfe Zunge wirst du oben im Himmel auch gut gebrauchen können.
Getreu der Tucholsky-Worte „Satire darf alles“ ist Scheibner mit seiner Art so manches mal angeeckt. Und als Anfang der 90er(?) der damalige sächsische Innenminister Eggert(?) ein lebenslanges Fernsehverbot für Scheibner forderte, hat ihn – Scheibner – das durchaus geadelt. Na ja, vielleicht sind wir hier im Norden toleranter …, jedenfalls hat Olaf Scholz, seinerzeit noch Erster Bürgermeister von Hamburg, anlässlich Scheibners 80. Geburtstags ein Senatsfrühstück für ihn und seine Freunde ausgegeben. Ok, bezahlt hat’s der Steuerzahler, aber immerhin 😉


009 [Inhaltsverzeichnis]

4 Gedanken zu “postfaktische Tage

  1. eleucht 3. Juni 2022 / 12:45

    Heinz Eggert war Innenminister in Sachsen, ja, er kam aus der DDR-Bürgerrechtsbewegung und dem Neuen Forum, wurde massiv von der Stasi beobachtet. Er hat als Innenminister einen „harten“ Weg eingeschlagen, der manchmal nicht unumstritten war, er hat aber auch gegen jede Art von Extremismus gekämpft und die SOKO REX gegründet, mit der er gegen rechtsgerichtete Gewalttaten vorging.
    Herzliche Grüße aus dem Vogtland.

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    • Meier Sven 3. Juni 2022 / 13:23

      Moin Eberhard. Danke für den Input. Meine Erinnerung tendiert hier gen null. Und nachrecherchiert habe ich nicht. Postfaktisch eben 😉
      An das geforderte Fernsehverbot erinnere ich mich auch nur, weil ich den Scheibner immer irgendwie gemocht habe und das vielleicht auch, weil er eben hier aus dem Norden stammt und ich irgendwo aus dem tiefsten Süden 😉
      Grüße! Habt ein schönes Pfingstwochenende!

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  2. Frau Momo 4. Juni 2022 / 9:19

    „Rein gefühlsmäßig frage ich mich so wie so, ob die in den bzw. durch die Medien erzeugte Meinung wirklich immer die des Volkes ist?“ Meiner Meinung nach ist es nicht Aufgabe der Medien, Meinungen zu erzeugen. Sie sollen informieren und meine Meinung bilde ich mir dann selber. Ich weiß, das Schmierblatt mit den vier großen Buchstaben lebt von der Meinungsmache, aber das ist ja auch kein Journalismus, den die betreiben.

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    • Meier Sven 5. Juni 2022 / 9:43

      Moin.
      Da bin ich ganz und gar deiner Meinung. Interessantes dazu am Rande: Zurzeit wird ja der neue Medienstaatsvertrag für den ÖRR beraten. Nach dem letzten MP-Treffen vor drei Tagen nannte MP’in Malu Dreyer in einer PK ein paar Details. So sollen zukünftig Meinungen und Informationen klar getrennt werden. Im vorgelagerten Beteiligungsverfahren hätten viele Bürger angegeben, dass es – Zitat: „zu viel Berichterstattung gibt, wo nicht mehr unterscheidbar ist: Ist das eigentlich jetzt eine objektive Berichterstattung oder ist das Meinung oder ist das alles miteinander vermischt?“
      So, jetzt will ich noch zu „deinem Banksy“ 😉
      schöne Pfingsten noch

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