Sommerloch-Splitter 2

Wenn ich, wie hier bei uns in Scharbeutz, so ein Schild an der Tür zum Bäcker sehe, dann lässt mich das grübeln. Aus Jux und Dollerei werden die das bestimmt nicht aufgehängt haben. Als wenn es noch einer Begründung bedurft hätte, das am Tresen von einem Touri, Typ Feldwebel, kurze Hose, weißen Socken in brauen Sandalen: „Ist das alles, was sie an belegten Brötchen haben?“ Und das in einem Ton …, na ja 😦 Frau P. meint dazu, die jahrelang hinter so’m Tresen stand: „Das war mein Alltag!“

Ok, jeder kann mal einen schlechten Tag haben. Wahrscheinlich hätte ich das auch als Einzelfall verbucht und nix hier geschrieben, wenn nicht am nächsten Tag das passiert wäre: Ich erhalten ein Päckchen. Mittags. Die Luft ist, ich sag’s mal so: Tauwetter für Dicke 😉 Die DHL-Zustellerin sieht ziemlich fertig aus. Man kennt sich und ich frage nur: „So schlimm?“
„Schlimmer!“ sprudelt es aus ihr heraus. „Sie glauben nicht, wie froh ich bin, wenn erstmal die vielen Touristen wieder weg sind. Die parken hier jede Nebenstraße zu und ich weiß nicht, wo ich noch halten soll. Und dann bestellen die auch noch online und lassen sich die Sachen hier an ihren Urlaubsort liefern – und ich muss dann die Ferienwohnung suchen und dann ist noch nicht mal einer da.“

Ja, ich kann die Frau und ihren Unmut verstehen. Wir haben hier in Scharbeutz & Haffkrug (~6.600 Einwohner) über 3.000 Parkplätze (+ ~5.000 FeWo + Hotels + Camping) und wenn alles belegt ist – das Bild habe ich am Nachmittag desselben Tages aufgenommen – dann hat man vielleicht eine Ahnung von dem, was hier im Sommer so los ist …. Schön und stressfrei ist etwas anderes – nämlich genau das Gegenteil von dem, was wir Anfang Juli in Dänemark erlebt haben. Getreu dem Spruch aus der Werbung: Dann geh‘ doch zu Netto … haben wir jetzt kurzfristig für nächste Woche noch mal ein paar Tage bei unseren nördlichen Nachbarn gebucht. Frau P. avanciert jetzt als Rentnerin zur Dänemark-Fanin 😉

Tour de France und „konservative Diktaturen“

Anders ausgedrückt: Friss oder stirb. Auf der Seite vom dänischen DR lese ich einen Artikel über das Sponsoring von fragwürdigen Partner aus den Arabischen Emiraten und Bahrain auf den Trikots der Radrennfahrer – frei übersetzt:
Während die bevorstehende Ausrichtung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Katar in den letzten Jahren eine wachsende Debatte über Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberstaat ausgelöst und den Fokus verstärkt auf umstrittene Eigentumsverhältnisse und Sponsoring in großen Vereinen wie Manchester City, PSG, FC Barcelona und Bayern München gelegt hat, hat eine ähnliche Debatte im Radsport nicht stattgefunden. Warum nicht?
Die im Beitrag folgende Antwort ist simpel: Weil es ohne diese Gelder diverse Rennställe nicht mehr geben würde. Punkt. Und damit vielleicht auch die Tour nicht, keine drei Etappen durch Dänemark und keinen dänischen Gesamtsieger. Natürlich auch keine dänischen Tour-de-France-Rumkugeln 😉

Das erinnert mich an die Worte von unserem (grünen) Wirtschaftsminister Habeck nach seiner Gas-Einkaufstour durch die arabischen Länder: „Wir sollten uns nicht immer einreden, dass wir auf der moralisch besseren Seite stehen. … Wir verbrennen fossile Energien …, sie müssen irgendwo herkommen und nicht alle Länder folgen unserem Wertekodex. Das ist so!“ Man nennt das, habe ich gelernt, TINAThere Is No Alternative.

Das waren meine Sommerloch-Splitter – wobei, ein paar hätte ich noch. Vielleicht später. Berlin/Potsdam beispielsweise: Die Schöne und der Dreck. Mal sehen. Aber ein hab‘ ich noch, morgen: Det skal nok gå – Subjektives aus dem Nachbarland 😉 Doch bei alledem: Hier bei uns in Ostholstein ist es auch ganz schön – man muss nur wissen wann und wo 😉 Travemünde muss man ja nicht unbedingt während der Travemünder Woche besuchen, wenn alles überlaufen ist. Haffkrug tut’s auch 😉


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5 Gedanken zu “Sommerloch-Splitter 2

  1. Stella, oh, Stella 2. August 2022 / 9:54

    Das mit dem Sponsoring stimmt. Hier hat man eine bekannte Fussballerin zur Sau gemacht, weil sie in Qatar irgendeine Rolle übernehmen sollte. Im Moment treibt man das Feuer mit Belzebub aus oder wie das heisst.

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    • Meier Sven 3. August 2022 / 8:06

      Moin Stella. Oh ja, es sind wieder diese „2 Seiten derselben Medaille“. Während des Spiels der Frauen-EM DK vs. D hat der Reporter das erwähnt und ich habe, neugierig wie ich nun mal bin 😉 dazu recherchiert.
      Nadia Nadim. Eine Dänin afghanischer Abstammung. Ihr Vater wurde von den Taliban ermordet. Neben ihrer Fußballkariere hat sie in Aarhus Medizin studiert und das Studium im letzten Jahr abgeschlossen.
      Kritisiert wurde sie in den dänischen Medien dafür, dass sie eine der Botschafterinnen für die Männer-WM in diesem Winter in Katar ist. Selbst hat sie sich im Juni wie folgt dazu geäußert:
      https://www.aftonbladet.se/sportbladet/fotboll/a/x8qylB/fotbolls-em-nadia-nadim-slar-tillbaka-mot-qatar-kritiken
      Es liegt mir fern, das aus der Ferne zu beurteilen. Aber vielleicht ein grundsätzlicher Satz dazu, von Helmut Schmidt, 1996 in seinen „Erinnerungen und Reflexionen“:
      „Heutzutage ist das wichtigste zu lernen, wie man andere Völker versteht. Und zwar nicht nur deren Musik, sondern auch ihre Philosophie, ihre Haltung, ihr Verhalten. Nur dann können sich die Nationen untereinander verstehen.“
      Vielleicht sind es ja die Sportler, die wenigstens ein bisschen dazu beitragen? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es.
      Sorry, sind ein paar Buchstaben mehr geworden 😉
      Grüße, wir lesen uns!

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      • Stella, oh, Stella 3. August 2022 / 9:52

        Das macht nichts mit mehr Buchstaben, ist doch interessant. Ja, der gute alte Helmut, das waren Zeiten!
        Nadia hat völlig Recht. Und wenn die Dänen so gegen Qatar sind, warum nehmen sie dann teil? Ziemlich heuchlerisch …
        Da kommen zwei weniger schöne Seiten der Dänen zutage. Zum einen, dass sie immer fragen wie viel Geld jemand für was bekommen hat. Kim Larsen hat mal einen Journalisten zurückgefragt, wie viel er denn verdient. Der wollte sich natürlich nicht dazu äussern, weil es hier ja nicht um ihn ginge. 😉 Ein paar Journalisten haben mal die ganz jungen Beatles gefragt ob sie ein schlechtes Gewissen hätten, weil sie so jung schon so viel verdienen. Die dänischen Journalisten stellen manchmal sehr merkwürdige Fragen.
        Die zweite Sache ist die mit Leuten, die zwar dänische Staatsbürger sind, aber einer anderen Ethnie angehören. Nadia ist Dänin, aber ethnische Afghanin. Wenn die von Qatar nun eine ethnische Dänin angesprochen hätten, wäre die Reaktion vielleicht eine andere gewesen.
        In meinen Augen ist die beste Methode für mehr Verständnis für einander die mit den Austauschstudenten und -lehrern. Oder eben auch Sportler, die in Vereinen anderer Länder spielen.

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