Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

Eine Nachricht, gestern Abend. Von meiner Tochter. Heute geht das über’n Ackerschnacker via eines Messengers ganz fix. Klick, tipp, klick … und wech. Wie haben wir aus der Boomer-Generation das nur früher gemacht, als der Quelle-Katalog das Amazon von heute war und Briefe nebst Päckchen noch allein von der Deutschen Bundespost verteilt wurden – und zwar zuverlässig? Soll ich euch mal was sagen? Auch diese Frage geht mir am … vorbei 😉 und kaufen werde ich mir das Buch wohl auch nicht. Nö.

Später heißt es im Text: „Wenn du zur Stärkung deines Selbstbewusstseins eine Bestätigung deines Tuns brauchst, dann lese das Buch.“ Grinse-Smiley. „Nee, brauche ich nicht! Weder noch!“ Vielmehr erinnert mich das an eine Situation 2011, als Tochter und ich Teilnehmer eines Workshops waren: Eine gerade in den Ruhestand versetzte Psychologin betrat als Referentin das Podium, im 68er-Hippie-Look und lila Haaren, und erklärte:
„Ich bin jetzt authentisch. Authentisch kann man nur sein, wenn man völlig unabhängig ist. Das ist ein Privileg.“
Ich hab’s mir damals notiert, war ja selbst gerade dabei die Brocken hinzuwerfen und mich von sowie aus der Alten Heimat zu verabschieden. Das hat schon was und ist gewonnene Lebensqualität, wenn man nicht mehr tun muss, was man nicht will, nicht mehr Rücksicht auf irgendwelche Konventionen nehmen und sich nicht mehr mit Leuten abgeben muss, die man nicht mag. Wenn man dann noch mit der Zeit merkt, was man alles nicht braucht, wenn man nur noch sich selbst verantwortlich ist, dann ist alles gut. Kurzum: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg. IMMER! Man muss ihn nur wählen. Deshalb mag ich den Begriff alternativlos auch nicht 😉

Ok, ganz so einfach ist es nicht. Nicht immer. Aber wenn ich heute über den #Ökonomenstreit lese, wie die Ökonomen, die uns im März noch vorgerechnet haben, dass wir einen sofortigen Energie-Import-Stopp aus Russland überstehen können, heute erklären wollen, wie wir was sparen müssen, wenn Putin den Gashahn zudreht, und das wiederum einen Sturm der Entrüstung in den sozialen Medien gleichsam wie aus der Fachwelt lostritt, dann …, dann geht mir erstens die ganze Debatte ebenfalls am … vorbei und zweitens ist es für mich Fakt, dass wir alle möglichst viel Energien einsparen müssen sollten. Sei es aus Solidarität gegenüber der Gemeinschaft – oder um die nächsten Rechnungen bezahlen zu können. Siehe links:
Da wollen Sie doch auch dazugehören, oder?

Ich möchte hier nur dafür werben, die Dinge etwas gelassener zu sehen und nicht jeder Debatte, jedem Streit um die Ressourcen eine unnötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
Dat geiht doch nich? Da möt doch wat seggt warn? Doch, dat geiht, denn snacken köönt se all, aver Doon is’n Ding!
Also, tun wir doch einfach das, was wir tun können. Jeder für sich. Und in der Summe sind wir stark! Wir können das!


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10 Gedanken zu “Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

  1. Der Wilhelm 15. August 2022 / 7:04

    Gut gebrüllt, Löwe!

    Tatsächlich formulierst du hier vieles aus, was mir genauso durch den Kopf geht und mich zu beinahe gleichen Ergebnissen führt:

    Angefangen mit der Freiheit des Rentnerlebens bis hin dazu, dass lange nicht alles so heiss gegessen werden muss, wie es aus Politikermündern kommt und in den Dampfkesseln der Medien noch zusätzlich aufgeheizt wurde.

    Letztendlich (und das muss ich als bekennender Karnevalshasser den Kölner Karnevalisten zugestehen) ist es noch immer irgendwie gut gegangen – und wenn es nicht gut gegangen ist, ist es trotzdem weiter gegangen…..
    Und so wird es wohl auch dieses mal sein.

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    • Meier Sven 15. August 2022 / 8:48

      Moin Wilhelm.
      Danke, ja, so ist das wohl, es geht immer irgendwie weiter und nix wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Auch so’ne Weisheit von meinem Oppa, der quasi für alles ’nen Spruch parat hatte 😉
      Weil mir unsere dänischen Nachbarn näher sind als die Rheinländer, nicht nur geografisch 😉 „Det skal nok gå“ sagen sie, was aber das Gleiche bedeutet.
      Wir lesen uns, bleibt munter!
      P.S.: Weil ich bei dir schon mal am WE kurz quer gelesen habe: Deine „Rentenfrage“ ist nun endgültig geklärt? Wenn ja, dann Glückwunsch!

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      • Der Wilhelm 15. August 2022 / 8:50

        Jepp, die Krankenkassensache ist endgültig geklärt. Da hat sich meine Hartnäckigkeit wirklich mal ausgezahlt…;-)

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      • Meier Sven 15. August 2022 / 8:55

        Das freut mich. Ja, mitunter muss man hart am Wind bleiben. Bei Frau P. hat sich das letztlich auch ausgezahlt, selbst wenn es ein langwieriger Prozess war.

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  2. smswp 15. August 2022 / 7:41

    It’s nice if you can, I can’t 😠
    Das Buch habe ich quer gelesen. Es ist tatsächlich ein Plädoyer dafür, sich locker zu machen und Dinge nicht so eng zu sehen. Dazu bietet die Autorin eine Vielzahl von Beispielen und Geschichten. Es ist eine kurzweilige Lektüre, witzig geschrieben und gut zu lesen. Für die vielen nervigen Kleinigkeiten im Alltag ist es ein durchaus brauchbares Werk – man muss seine Partnerin jedoch nicht gleich mit einem „Fick dich“ zum Teufel schicken, um mehr „Freiheit, Muße, Eigenbestimmung und Schokolade“ zu genießen 😁
    Aus der Meldung, die Gasspeicher seien bereits jetzt, zweieinhalb Wochen früher als geplant, trotz weiterer Reduzierung der Gasmenge durch die Russen, zu 75 Prozent gefüllt, lässt sich ableiten, dass wir schon gut beim Einsparen sind. Hauptantrieb dafür dürften die hohen Kosten sein. /S.

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    • Meier Sven 15. August 2022 / 8:53

      Moin S…,
      danke für deine Kurz-Rezension. Ich erlaube mir anzumerken: 1. „Fick dich“ habe ich damals nicht gesagt, und 2. gibt es solche „Do-it-yourself-Bücher für Küchenpsychologen“ wie Sand am Meer. Schätze ich mal – und sie dienen vielleicht mehr der Unterhaltung als alles andere. Oder?
      Grüße in die Alte Heimat

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  3. sinnlosreisen 15. August 2022 / 9:14

    Selten konnte man durch eine Aktion, nämlich beim Gasverbrauch sparen, gleich drei Fliegen erwischen: Klima retten, Geldbeutel vor Austrocknung schützen und Putin eine lange Nase drehen. Wem das als Motivation nicht reicht, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

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