Abenteuer Zugfahren – Banksy muss warten

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

Soweit der Volksmund. Und, lieber Volksmund, was sagst du, wenn die Reise nicht angeht? Weil der Zug Verspätung hat und dadurch der Anschlusszug verpasst wird? Was sagst du dann? Die Bahn wird immer unzuverlässiger und der Service schlechter?

Glaube ich meinem Kollegen, der auf den ÖPNV & die DB angewiesen ist und täglich nutzt, dann ist das so. Ich kann und will mir dazu allerdings kein Urteil erlauben, denn 1. liegen meine letzten Bahnfahrten lange zurück und 2. waren die dienstlich – Verspätungen somit bezahlte Dienstzeit.

Vielleicht war das heute ja nur eine Ausnahme. Scharbeutz. Der Zug nach Lübeck hat 40 Minuten Verspätung wegen einer Störung. D. h., den von uns ausgeguckten Zug nach Hamburg hätten wir dort nicht mehr erreicht. Gerade heute, als Frau P. und ich mittels eines 9-€uro-Tickets in die ganz große Stadt wollte, um u. a. die Banksy-Ausstellung zu besuchen.

Ok, Züge nach Lübeck und von dort nach Hamburg fahren alle naselang. Wir hätten auch einfach warten können … und wären später …. Aber nee! Beide haben wir nicht vor, Lebenszeit auf einem unwirtlichen Bahnsteig zu vergeuden. Später in HH hätte auch bedeutet, später von dort zurück – und das dann in einem überfüllten Pendler-Zug im Feierabendverkehr? Mit Maske! Nee, nee! Also kehrt marsch, morgen ist auch noch ein Tag – muss Banksy eben solange warten.

Ich habe eben mal geschaut, was uns die Fahrt regulär gekostet hätte, statt der beiden 9-€uro-Tickets (18 €): bahn.de sagt mir: Mit dem SH-Ticket 19,30 € p. P., mal 4, weil wir sind 2 und zurück wollen wir ja auch. Macht rund 77 €. Oh ha, dat is man bannig happig. Mit dem Auto wären es Pi mal Daumen 20 € Diesel für meinen kleinen Knatterton, plus 10 € Parkhaus. Beim letzten HH-Besuch hatten wir sogar Glück und mussten nix für’s Parken bezahlen.

Nö, ik glöv nich, dat de Dütsche Bahn
un ik noch grote Frünnen warn.

Bahnhof Scharbeutz – erinnert so ein bisschen an Lost Places.
Es ist sicherlich schon ein paar Tage her, dass von hier die letzte Durchsage ertönte.


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7 Gedanken zu “Abenteuer Zugfahren – Banksy muss warten

  1. Der Wilhelm 18. August 2022 / 12:58

    Jaja, die Bahn 😦

    Meine letzte grosse Bahnfahrt, (abgsehen von ein paar Fahrten danach mit der Hamburger S-Bahn) führte mich nach Bad Nauheim zur Reha und zurück, kurz bevor das Corona-Drama begann.

    Auf der Hinfahrt: volle Züge ( zum Glück hatte ich reserviert), Verspätung schon am Harburger Bahnhof samt Nervenkitzel, ob es mit dem Anschlusszug passt, weitere Verspätung beim Anschlusszug, so dass ich erst eine Stunde nach der geplanten Zeit am Ziel ankam, zu Fuss vom Bahnhof zur Klinik latschen musste, weil der Fahrdienst weg war – und folglich auch kein Mittagessen mehr bekam…

    Auf der Rückfahrt sass ich (Dank der beginnenden Pandemieangst ) von Kassel bis Hamburg durchgehend alleine in einem riesigen Grossraumwagen des ICE, was auch eine ziemlich merkwürdige Erfahrung war. Aber dafür war der Zug tatsächlich schon fünf Minuten zu früh in Harburg…..

    Auch das gibts.

    Ansonsten:
    Bahnfahren war für mich noch nie wirklich vergnüglich, so dass ich mir Züge gerne von aussen angucke (da bin ich wirklich fasziniert davon) aber ungerne von innen. Zudem ist Autofahren in den meisten Fällen ja auch tatsächlich billiger und deutlich bequemer, insbesondere, wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist….

    Gefällt 1 Person

    • Meier Sven 18. August 2022 / 13:12

      Moin Wilhelm.
      Da bin ich ganz bei dir. Für mich zählt bei Ausflügen mobil und flexibel zu sein. Deshalb haben wir bspw. unsere HH-Besuche auch bisher mit dem Pkw absolviert. Jetzt wollten wir mal auf „ökologisch“ machen – un wat ist? Nix ist. 😉
      Nee doch, wir starten morgen einen zweiten Versuch. Selber Bahnsteig, gleiche Uhrzeit. Schauen wir mal.

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    • Meier Sven 19. August 2022 / 7:08

      Moin Stella. Da gebe ich dir recht. Ich seh‘ das so: Wenn man möglichst viele Menschen in die Bahn locken möchte, eben damit sie der Umwelt zuliebe ihren Pkw stehen lassen oder nicht den Flieger nutzen, dann müsste die Bahn ihr Angebot verbessern, pünktlich sein und besseren Service bieten. Natürlich kostet das. Doch das sollten nicht die Passagiere über höhere Ticketpreise zahlen, sondern der Bund als Eigentümer – wie er es just mit dem 9-Euro-Ticket getan hat. Schlussendlich ist der Bund bei uns auch dafür verantwortlich, dass in den vergangenen Jahren bei der Bahn AG vor allem gespart wurde und möglichst hohe Gewinne ausgeschüttet werden sollten.
      Nur mal so ein Beispiel, weil es gerade aktuell ist: Stuttgart steht demnächst bei mir auf dem Plan: Hin-/Rückflug ab Lübeck: ~280€, ca. 2,5 Std. eine Tour stressfrei unterwegs. Bahn: Buche ich langfristig im voraus, kann ich die Tickets bestenfalls für ~50€ kriegen, weil das aber nicht geht, sind es ~200€ Hin/Rück inkl. Sitzplatzreservierung, aber ca. 7,5 Std. eine Tour mit einmal umsteigen. Mit dem Pkw verfahre ich vllt.150€ von hier und wieder zurück, habe allerdings den 700-km-Fahr-Stress, benötige anderseits vor Ort keinen Mietwagen. Also fahre ich mit dem Auto, weil dann bin ich flexibel und mobil. Und ganz ehrlich: Alternativ würde ich eher fliegen als mit der Bahn zu fahren.

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      • Stella, oh, Stella 19. August 2022 / 12:47

        Das mit der Bahn ist hier fast genauso. Weil die S-Bahn und Bahn nicht mehr 100% staatlich sind, muss ein Profit erwirtschaftet werden. Zuerst liess man daher den Service des Schienennetzes und der EL-Leitungen brachliegen mit den entsprechenden Folgen.
        Dann hatte man die tolle Idee mit den Park&Ride Parkplätzen für die Pendler. Eigentlich eine gute Idee. Aber wenn man mehr Menschen mit der Bahn befördern will, muss man gleich mehr Wagen zur Verfügung stellen. Hier hat man erst einmal abgewartet, ob das mit dem Park&Ride klappt bei gleicher Wagenanzahl, mit der Folge, dass viele wieder abgesprungen sind, weil sie keine Lust hatten, frühmorgens 45 Minuten bis nach Kopenhagen zu stehen wie die Sardinen.

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      • Stella, oh, Stella 19. August 2022 / 12:49

        Ich mag eigentlich Bahn, auch für längere Strecken, selbst wenn es länger dauert als Fliegen. In der Bahn kann man aufstehen und rumlaufen, man sieht was von der Umgebung, durch die man fährt, und in den Intercity-Zügen gibt es ein Restaurant (gibt es sie noch?). Das fand ich damals immer den äussersten Luxus.

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