Banksy – Hamburg-Ausstellung

Banksy ist … auf alle Fälle Street-Art-Kunst, jedenfalls für mich, für den Rest empfehle ich Wikipedia.

Freitag waren wir in Hamburg in seiner Ausstellung. Wobei in seiner so nicht richtig ist, denn Banksy, wer auch immer sich hinter dem Namen verbergen mag, ist selbst nicht der Organisator. Deshalb heißt es in der Werbung bzw. auf den Plakaten auch:
AN UNAUTHORIZED EXHIBITION
Will heißen: Getreu dem Banksy-Motto „Copyright is for losers ©TM“ sind die gezeigten Werke erstens keine Originale, sondern originalgetreue Reproduktionen, und zweitens aufgrund seines anonymen Status nicht vom Künstler autorisiert. Sie sollen eine Hommage an den Künstler sein. Kritiker hingegen sagen, dass man hier nur mit Banksy Geld verdienen will, quasi als Trittbrettfahrer. Ok, aber uns ist das schnurzpiepegal. Persönlich mag ich Banksys Werke, weil sie viel Raum für Interpretationen lassen. Wenn man dann um den Hintergrund der einzelnen Bilder weiß, betrachtet man sie vielleicht aus einem anderen Blickwinkel wie durch eine andere Kamera 😉 Hier meine Top 10 … der Beitrag wird also etwas länger:

Mein Platz 10: Happy Choppers. 2005. Dieses Ölgemälde mit Hubschraubern soll den Konflikt zwischen Israel und Palästina in den Mittelpunkt stellen. Es wurde als unsignierter Siebdruck von POW (Pictures On Walls) verkauft und für Banksys 2005 in London eröffnete Ausstellung „Crude Oils“ neu produziert. Die schöne Landschaft bildet den Hintergrund für ein echtes Drama, das sich als Geschenk mit Schleife tarnt: das des Krieges und der Invasion. Banksy erhebt einmal mehr seine grafische Stimme, um die Gesellschaft mit ihrer glamourösen und romantischen Vision des Krieges in Frage zu stellen – für mich aktueller denn je.
Mein Platz 9: The Makeup. 2018. Ein Graffiti im Graffiti: Ein Schwarzes Kind bedeckt mit einem entzückenden rosa Muster, welches Ähnlichkeit mit einer viktorianischen Tapete hat, ein Nazi-Hakenkreuz. Sie radiert es nicht aus. Sie mildert es nur ab, überzieht es mit einem schönen Schleier, einem Make-up, das etwas Altes verjüngt. Denn das ist es, was Männer tun – so scheint Banksy uns zu suggerieren – sie verändern die Form, aber nicht die Substanz. Wenn die Sache anders aussieht, dann denkt man, dass sie wirklich anders ist.
Mein Platz 8: Kids on Guns. 2004. Die Silhouetten eines Jungen und eines Mädchens halten ihr Spielzeug in Händen, hoch oben auf einem Berg von Waffen. Das Mädchen hält einen herzförmigen roten Luftballon an einer Schnur. Es ist eines der Werke, das die Ikone des Ballon-Mädchens abbildet. Die Einfachheit und Strenge des Farbkontrasts verleiht sowohl Schönheit als auch eine tiefere Bedeutung und macht es zu einem der düsteren Werke des Künstlers. Hier als eine dreiteilige Montage – es fehlt aktuell nur die blau-gelbe ukrainische Flagge.
Mein Platz 7: Girl Frisking Soldier. 2007. Dieses Bild ist ein brillantes Beispiel für Banksys wirkungsvolle Gegenüberstellungen. Das Werk entstand auf der palästinensischen Seite der Grenzmauer im Westjordanland. Es zeigt einen israelischen Soldaten bei der Leibesvisitation durch ein Mädchen. Banksy scheint zu sagen: „Eines Tages werden unsere Kinder euch für eure Taten zur Verantwortung ziehen.“ Das wird nicht nur für das Westjordanland gelten.
Mein Platz 6: Game Changer. 2020. Corona-Pandemie. Banksys Bild einer Krankenschwester als Superheldin wurde einem britischen Krankenhaus als emotionale Unterstützung gespendet. Es zeigt einen kleinen Jungen, der in Latzhose und T-Shirt neben einem Papierkorb kniet, in dem seine Spiderman- und Batman-Figuren liegen. Seine neue Superheldin ist jetzt eine Krankenschwester. Der Künstler hinterließ eine Nachricht für das Krankenhauspersonal: „Danke für alles, was Sie tun. Ich hoffe, das erhellt diesen Ort ein wenig, auch wenn es nur schwarz-weiß ist.“ Das symbolträchtige Bild wurde im März 2021 für 16,75 Mio. Pfund (19,45 Millionen Euro) bei einer Auktion bei Christie‘s versteigert – weit über Schätzwert, der bei 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund lag. Der Erlös wurde dem britischen Gesundheitsdienst NHS gespendet.
Mein Platz 5: English Maid. 2006. Auch bekannt als „Sweep It Under – The Carpet Maid”. Banksy erklärte die Bedeutung hinter dem Bild: „In den schlechten alten Zeiten, als nur Päpste und Prinzen das Geld hatten, um für ihre Porträts zu bezahlen, ist dies ein Porträt eines Zimmermädchens namens Leanne, die mein Zimmer in einem Motel in Los Angeles gereinigt hat. Sie war eine ziemlich temperamentvolle Dame.” Das Bild sollte allerdings auch in so manchem Büro hängen, wo gelegentlich etwas unter den Teppich gekehrt wird.
Mein Platz 4: Show me the Monet. 2005. Das Bild bezieht sich auf das impressionistische Meisterwerk „The Waterlily Pond“ von Claude Monet und verwandelt die Idylle des Gartens in Giverny in einen Müllabladeplatz. Die entsorgten Einkaufswagen kritisieren hier eine konsum-orientierte Gesellschaft. Neben der Missachtung der Natur steckt in Titel und Werk auch die Kritik am Kunstmarkt: Der Name Monet ähnelt in seiner Aussprache dem englischen Wort „Money“ und so kann die Bezeichnung als „Zeig mir das Geld“ anstelle „Zeig mir den Monet“ gelesen werden. Das Werk ist für 7,6 Millionen Pfund (8,4 Millionen Euro) versteigert worden.
Mein Platz 3: No Future. 2010. Dieses Graffiti erschien 2010 an der Mauer eines Privathauses in Southampton, England. Ein kleines Kind sitzt zusammengekauert auf der Straße mit einem Luftballon in der Hand. Das Rund des Ballons formt das „O“ im Schriftzug „No Future“ (ohne Zukunft). Angesichts der heutigen Krisen: Welche Zukunft haben unsere Kinder und Enkelkinder?
Mein Platz 2: Peace Dove. 2007. Bethlehem, ein besonderer Ort des israelisch-palästinensischen Konflikts: Erstmals wurde die Friedenstaube mit schusssicherer Weste dort an ein Gebäude mit Einschusslöchern gezeichnet. Sie schaut auf einen israelischen Wachturm. Aber solche „Wachtürme“ gibt es vielerorts auf dieser Welt.
Mein Platz 1: Girl with Balloon. 2002. Für mich ist das der Klassiker überhaupt, auch wegen der Geschichte dazu. Das Werk zeigt ein Mädchen, dessen Haare und Kleid im Wind wehen und das nach einem roten, herzförmigen Luftballon greift. Oder ihn losgelassen hat? Die Geste und der rote Luftballon können auf viele verschiedene Weisen gelesen werden kann. Dieses Werk erschien ursprünglich 2002 in der Londoner Southbank, wurde aber später von der Stadtverwaltung übermalt. Daraufhin produzierte Banksy es in einem neuen Kontext und veröffentlichte eine geringe Auflage als unsignierten und signierten Siebdruck. Einer von seinen gerahmten Drucken aus dem Jahr 2006 stand zur Versteigerung an. Wenige Augenblicke, nachdem das Bild für 860.000 Pfund verkauft wurde, löste der heimlich in den Rahmen eingebaute Schredder aus und zerstörte die Leinwand. Mit diesem Statement zur Kommerzialisierung seiner Arbeit schrieb Banksy in der Kunstbranche Geschichte. Am 14. Oktober 2021 wechselte das halb geschredderte „Girl with Balloon“ mit seinem neuen Titel „Love is in the Bin“ den Besitzer. Im Londoner Auktionshaus Sotheby‘s kam das Werk für 16 Millionen Pfund unter den Hammer.

In Hamburg sind wohl 150 Banksy-Werke ausgestellt. Vielleicht vermisst jetzt jemand hier ein Bild. Ok, vielleicht habe ich davon kein Foto, oder es gehört eben nicht zu meinen Top 10. Geschmäcker sind halt verschieden und jeder mag seine interpretierende Sichtweise haben.


023 [Inhaltsverzeichnis]

Ha Ha mit der Bahn

So. Nach unserem ersten Versuch vorgestern hat es gestern geklappt: Auf mit der Bahn in die große Hansesadt Hamburg. Ha Ha, bitte versteht das wie ein ironisch gemeintes na toll, wenn etwas nun überhaupt nicht toll ist. Ich sag’s mal so: Genießen sie ihr Leben in vollen Zügen! Und dass einige trotz auffordernder Durchsagen die Maskenpflicht ignorieren, das verbuche ich auch unter Ha Ha …. Egal, Frau P. und ich waren uns nachher jedenfalls einig: Das müssen wir nicht noch einmal haben.

Fun Fact am Rande: Weil der Zug wegen außerplanmäßiger Stopps nicht pünktlich war, ertönte diese Durchsage des Zugführers:
Wir erreichen Hamburg leider 10 Minuten später. Die Informationen zu den weiterführenden Zügen können sie also vergessen. Wir haben unsere Verspätung aber angekündigt, vielleicht warten die Züge, geben sie also Hackengas, vielleicht erreichen sie ihren Zug dann noch. Ha Ha. Nicht jeder Reisende hat diesen Humor geteilt. Dann noch das: Die eine Treppe war gesperrt, alle mussten sich dort vorbei drängeln. Da war nix mit Hackengas. Nee, nee, dat is nix för ole Lüüd.

Ganz ehrlich: Irgendwie hinterlässt der gesamte Bahnhofsbereich einen schmuddeligen Eindruck bei uns. Dieser viele Müll, diese Gerüche – nö, god to wege is wat anners.

Die Banksy-Ausstellung hat uns auf alle Fälle sehr gefallen. Demnächst wahrscheinlich mehr davon. An dieser Stelle nur dieses Werk von dem Künstler aus dem Jahr 2006 – Sweep It Under – The Carpet Maid. Ja, zum Fegen gibt es a) auf dem Ha Ha Bahnhof genug – und b) wird der Ha Ha Politik vorgeworfen, zu viel gefegt zu haben – und zwar unter den Teppich. Das in Zeiten als Bundeskanzler Scholz dort Bürgermeister war und nun Erinnerungslücken behauptet, wie das denn so alles mit der Cum-Ex-Geschichte war.

Ach ja, wenn das gute alte Ha Ha Rathaus doch erzählen könnte. Die Cum-Ex-Ermittler würden gerne zuhören – denn Neues hörten sie gestern nicht, als Olaf Scholz vor dem Untersuchungsausschuss im Ha Ha Rathaus vorgeladen war.
Zum Hintergrund: Die Ha Ha Privatbank Warburg hat sich über Cum-Ex-Geschäfte durch eine vermeintliche Lücke im Steuerrecht Kapitalertragsteuer erstatten lassen, die nie gezahlt worden ist. Inzwischen ist durch den BGH endgültig geklärt, dass das eine strafbare Steuerhinterziehung ist. Trotz alledem hat die Ha Ha Finanzbehörde 2016 auf eine Rückzahlung von über 47 Mio Euro verzichtete und den Anspruch (steuerrechtlich) verjähren lassen. Die große Frage ist, wie es dazu kam? Olaf Scholz, seinerzeit Ha Ha Bürgermeister, weiß das nicht (mehr) und will auf alle Fälle nichts damit zu tun haben. Ha Ha! Eine Verjährung weiterer Steuerforderungen wurde Ende 2017 erst durch eine Weisung aus dem Bundesfinanzministerium (Minister Altmeier) verhindert. Letztlich wurde die Warburg Bank 2020 vom Landgericht Bonn (nicht Ha Ha!!) dazu verurteilt, sämtliche durch die Cum-Ex-Geschäfte zu Unrecht erhaltenen 176 Mio Kapitalertragssteuern zurückzuzahlen (inkl. der 47 Mio, weil illegal aus einer Straftat stammend). Natürlich gilt für Olaf Scholz in dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten. Nur ist unser amtierender Bundeskanzler (noch) kein Angeklagter, sondern Zeuge – und als solcher kein guter. Dat is man gar nich god för’n Budeskanzler un ik segg mol so: De Drops is noch nich gelutscht!


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