Der Strand von Rømø

Ich war noch niemals in New York …, vielleicht hätte Udo Jürgens auch singen können: auf Rømø? Egal. Unsere dritte Dänemark-Tour in diesem Jahr führte uns in den Westen von Nordschleswig. Natürlich auch auf die Insel Rømø, Römö, oder Röm, wie man es auf deutsch ausspricht – hat uns unsere Motel-Chefin so erklärt. Ok, wir waren also noch nie auf Rømø, das war in dieser Woche unsere Premiere. Im Gegensatz zu den deutschen Wattenmeerinseln gelang man auf die Insel über einen rund 9 Kilometer langen Damm, den Rømødæmningen, deutsch Römdamm. Alle, die schon mal in einer langen Warteschlange vor dem Autozug nach Sylt oder der Fähre nach Föhr / Amrum standen, wissen das zu schätzen.

Und wenn man schon mal da ist, ist der kilometerbreite befahrbare Sandstrand unbedingt ein Muss. Wer da nicht längst gefahren ist, der war auch nicht auf Rømø 😉

Aber Achtung: Am Sønderstrand können Strandsegler den Weg kreuzen. Für Lernwillige gibt es dort sogar eine Schule.

Ja, besser is, Augen auf und einen Blick in den Rückspiegel. Zwar sind die Gebiete durch Pfähle getrennt, aber man weiß ja nie 😉 Also nicht nur die Aussicht genießen. Apropos Aussicht: Der Landstreifen am oberen Bildrand, das ist schon Sylt, der Ellenbogen, nur drei Kilometer entfernt.

Davon gibt es viele am Strand: Wohnmobile. Nicht nur aus Dänemark, natürlich auch reichlich aus Deutschland, aber auch einige aus den Niederlanden haben wir gesehen.

Soweit der Rømøer Sønderstrand. Sehr beliebt ist aber auch der Strand bei Lakolk, dem ältesten Ferienort der Insel – der Literatur nach gegründet 1898 für deutsche Badegäste, als Rømø nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 (wie das gesamte Nordschleswig) zu Deutschland gehörte – bis zur Volksabstimmung 1920, die zu der bis heute gültigen Grenze führte.

Am Strand von Lakolk trübt keine andere Insel die Fernsicht, der nächste Ort ist vielleicht Newcastle, auf alle Fälle England, also janz weit wech 😉

Allerdings sollte man am Strand aufpassen, wo man lang fährt. Am besten da, wo alle lang fahren – und der Untergrund hart ist. Sonst muss Frau aussteigen und schieben.

Platz ist selbst im kleinen Auto, für alles, was einem ein paar Strandstunden angenehmer macht. Ja, so kann man schon ein bisschen gemütlich verweilen. Oder abwechselnd so:

So geht’s auch:

Einfach nur mal da zu sitzen und zu beobachten, das ist schon faszinierend.

Das war ein Dutzend Bilder von > 1.000 (von uns beiden). Sicher wird Frau P. noch weitere Bilder raussuchen, als die hier nur vom Strand von Rømø. Na mal sehen, was noch so kommt 😉 Jedenfalls sind hier in SH jetzt die Ferien vorbei und bei mir ruft wieder der ehrenamtliche Job. Aber den mache ich ja freiwillig … und wenn ich es mir heute Morgen ganz ehrlich überlege, dann ist das mit den paar Stunden in der Woche auch gut so. Wenn ich weiter überlege, ich müsste bis zum regulären Renteneintrittsalter noch ein paar Jahre 40 Stunden pro Woche im Büro sitzen … nee! Nee, nee, aber mit diesem Kompromiss können mein Herr Bechterew und ich ganz gut leben 😉


019 [Inhaltsverzeichnis]

Grænzenlos [?]

Grænzenlos – das deutsch-dänische Magazin

Anders Køpke Christensen (TV SYD) und Simone Mischke (NDR SH) besuchen in dieser Doku-Reihe besondere Orte im deutsch-dänischen Grenzland und sprechen mit Menschen, die hier leben und arbeiten. Sehr interessant und eine Empfehlung an alle, die sich mit unseren nördlichen Nachbarn beschäftigen. Zumal es mehr Fortzüge Deutscher zu unseren Nachbarn gibt, als Zuzüge von dort. Lt. D-Statis sind im letzten Jahr 2.132 Deutsche nach DK ausgewandert (s. u.), 720 Bundesbürger sind aus Dänemark wieder nach Deutschland gezogen. Nur mal so zum Vergleich, Österreich: 11.383 hin, 6.415 retour.

Folge 1 [01.03.22] | 2 [24.05.22] | 3 [19.07.22] | 4 [geplant 09.22]

Bei einer Sequenz aus der ersten Folge musste ich schmunzeln. Besuch im Regionskontor Sønderjylland-Schleswig. Im Gespräch mit dem Leiter Peter Hansen zeigt dieser einen der Unterschiede zwischen Dänemark und Deutschland:

Ist es wirklich so, dass es in Dänemark nur noch Faxgeräte für die Korrespondenz mit Deutschland, deutschen Behörden gibt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass uns die Dänen bei der Digitalisierung meilenweit voraus sind. Das war schon in den 90ern so, als ich dienstlich in Sonderburg Einblicke in das dänische Verwaltungswesen erlangen durfte.

So ganz grænzenlos ist Dänemark nicht!

Dänemark hat mit all seinen Inseln eine rund 7.314 Kilometer lange Küstenlinie und nur 67 Kilometer Landgrenze – die zu Deutschland / Schleswig-Holstein. Und die hat es in sich – Schengener Abkommen (EU) hin oder her. Überhaupt: Selbstbewusst wie die Dänen sind, um den negativ konnotierten Begriff nationalistisch zu vermeiden, gilt die Maxime: So viel EU wie nötig und so wenig EU wie möglich. Dänemarks Platz in der EU steht auf ewig zur Debatte – sage nicht ich, sondern so ist in Dänemark zu lesen.

Na ja, ich muss ja nicht alles gut finden, was bei den Nachbarn so abgeht. Schon gar nicht die Grenzkontrollen, inkl. Staus, wie hier am Grenzübergang Krusau, auch nicht den entlang der gesamten Landgrenze errichteten sog. Wildzaun. Offiziell soll der den Wildschwein-Wechsel von Deutschland nach Dänemark wegen der Schweinepest verhindern, so wie hier am nur noch für Fußgänger/Fahrradfahrer nutzbaren Grenzübergang bei Niehuus. Und inoffiziell? He seggt so un se seggt so 😉

Apropos Grenze: Unvergessen bleibt für mich, als 2017 ein irrlichternder Rechtspopulist der Dansk Folkeparti tatsächlich den Wiederanschluss Südschleswigs an Dänemark ins Gespräch brachte, mit der dänisch-deutschen Grenze bis 1864 (deutsch-dänischer Krieg). Ja, auch das ist Dänemark. Rechtspopulisten gibt es halt überall. Ob man es gut findet, dass sich in Dänemark konservative Minderheitsregierungen von den Rechtsaußen haben stützen lassen, mag jeder selbst entscheiden. Man stelle sich das nur mal in Deutschland vor: CDU/CSU/FDP haben im Bundestag zwar keine Mehrheit, werden aber von der AfD als Regierung toleriert und unterstützt. Nee …, das will ich mir lieber nicht vorstellen. Dänen nennen das ideologiefreien Pragmatismus und für sie gibt es nur gute oder schlechte Politik. Auch das sage nicht ich, sondern so kann man es bei unseren Nachbarn lesen. Ebenso das hier:

Auszüge aus dem Leitartikel im Nordschleswiger (DK), das Bild ist mit dem Original-Titel verlinkt:

„Aus Deutschland ziehen viele Menschen nach Nordschleswig. … Tatsache ist: Unter jenen, die neu nach Dänemark und Nordschleswig kommen, sind auch so manche, die in Deutschland als Querdenkende bezeichnet werden. … Ja, Dänemark ist lockerer mit dem Coronavirus umgegangen als Deutschland. … Politik und Gesellschaft haben an einem Strang gezogen. … Die Menschen in Dänemark haben sich schnell und zahlreich impfen lassen, gerade die Älteren. … Weil es keine Entfremdung von den Institutionen des politischen Systems gibt, sprich: Weil es keine besonders verbreitete Querdenk-Bewegung in Dänemark gibt, hat Dänemark den Weg durch und (hoffentlich) aus der Corona-Krise reibungsloser gemeistert als Deutschland. … Das übersehen die, die herkommen, weil sie auf Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung ohne staatliche Einmischung setzen. … Hier ist relativ reibungslos möglich, was in Deutschland nicht möglich ist oder zu Protesten, auch und besonders von den Querdenkenden führt oder führen würde. Neben den Corona-Maßnahmen könnten wir aufzählen: Anlasslose Vorratsdatenspeicherung, Google-Streetview bis zur letzten Sackgasse, Tempolimits, hohe Bußgelder und enorm hohe Steuern auf Autos (und fast alles andere), ein zentrales Personenregister (CPR), das den Menschen eine Nummer zuweist, an die sich schiere Unmengen von persönlichen Daten knüpfen – auch die Gesundheitsdaten –, eine komplett digitalisierte Kommunikation zwischen dem Staat, sämtlichen Institutionen und den Bürgerinnen und Bürgern und vieles mehr. … Wer also nochmal darüber nachdenken will, dem sei geraten, noch vor der Grenze umzudrehen: Dahinter lauern nämlich allerorten Nummernschildscanner.“

Noch Fragen? Siehe auch: Det skal nok gå von gestern – quasi ein Pro zu dem Contra hier.


016 [Inhaltsverzeichnis]

Det skal nok gå

In diesen vier Worten – so wird gesagt – verbirgt sich die Lebenseinstellung der dänischen Nation. Frei übersetzt:
„Es wird schon irgendwie gehen.“
Claus Ruhe Madsen, gebürtiger Däne, seit Juli (parteiloser) Wirtschaftsminister in der SH-Landesregierung (Günther II), hat das ganz diplomatisch (Anfang Juli in einer dänischen Zeitung) so ausgedrückt hat:
In Deutschland geht es stärker in Richtung geordnet und in Skandinavien stärker in Richtung kreativ. Beides ist extrem wichtig. Da hat Schleswig-Holstein vielleicht einen Vorteil, weil es beides anbieten kann.“

Werbung in eigener Sache:
Dänemark-Bilder im
Foto-Blog von Frau P.:
Dänemark – 1234 – vom Juli 2022

Ich finde es immer wieder …, ich sag‘ mal faszinierend, wie unsere dänischen Nachbarn mit gleichen Situationen gelassener, pragmatischer umgehen als wir in Deutschland. Beispielsweise sagte der dänische Journalist Gwyn Nissen Ende Januar im NDR zum Umgang mit der Corona-Pandemie: „Es ist die dänische Lässigkeit auf der einen Seite und die deutsche Angst auf der anderen.“ Aber: Ist es wirklich die im Ausland oft zitierte „German Angst“, oder wird nicht einfach liebend gerne diese Stereotype bedient?

Meine These dazu ist ja seit je her, dass das medial viel mit Hegels Dialektik, These-Antithese-Synthese, zu tun hat. Erst die Meldung, dann finden sich immer welche, die das anders sehen – de klööksten Stüerlüüd sitt jümmer op’t Dröge – und am Ende wird alles von Experten irgendwie eingeordnet. Oder so ähnlich. Dieses mediale Breittreten von Themen bis zum Tz kann verwirren und schlussendlich wissen nur noch wenige, was wirklich Phase ist.

Zwei Beispiele aus dem Juli:
1) In einer dänischen Online-Zeitung ist zu lesen: De danske forbrugerpriser steget med 8,2 pct. på et år / Die dänischen Verbraucherpreise stiegen in einem Jahr um 8,2 %. Der Artikel hat es auf der Seite nie in die Tabelle der meist gelesenen geschafft. Und in Deutschland? Ein mediales Dauerthema.
2) Als Mitte Juli die Gasleitung Nord Stream 1 in Russland wegen Wartungsarbeiten geschlossen und in Deutschland tagelang debattiert wurde, ob danach wieder Gas strömen würde, und wenn nicht, was das bedeuten würde, gab’s in Dänemark wenig darüber zu lesen. Das Thema wird erstmal zur Kenntnis genommen und man wartet ab, viel mehr nicht. Danmarks gaslagre ligger i to landsbyer – og der er nok til flere måneder / Dänemarks Gasspeicher befinden sich in zwei Dörfern – und es gibt genug für mehrere Monate – war dann auch eher ein beruhigender Sachstandsbericht als wilde Spekulation.

Das ist – für mich – dieses Det skal nok gå, Es wird schon irgendwie gehen. In Deutschland hingegen wurde kommentiert: Angstdebatte ums Gas nützt Putin, als wenn der ARD-Kommentator Mario Kubina damit sagen will, dass auch auf tagesschau.de zu viel über das Thema berichtet und so nur Angst geschürt wird. Ach ja, Kurt Tucholsky hatte schon vor rund 100 Jahren recht: „Nähme man den Zeitungen den Fettdruck: um wieviel stiller wäre es in der Welt!“

Um nicht missverstanden zu werden: Ich weiß, Äpfel und Birnen: Dänemark ist ein paar Nummern kleiner als Deutschland, knappe 6 gegenüber mehr als 83 Millionen Einwohner. Und die Medienlandschaft auf dem kleinen dänischen Markt ist sehr überschaubar und wird subventioniert – kaum zu vergleichen mit dem zwanzigmal größeren deutschsprachigen D-A-CH-Raum, wo die vielfältigen Massenmedien mit allen Mitteln, auch unlauteren und bisweilen an die niederen Instinkte gerichtete Angebote, um gewinnbringende Marktanteile kämpfen. Dass dabei die Qualität oft auf der Strecke bleibt, versteht sich von selbst.
Das ändert m. E. aber nix an der grundsätzlich zufriedeneren Lebenseinstellung unserer nördlichen Nachbarn und dass eins ihr Ding NICHT ist: Das boulevardeske & typisch deutsche Hätte, Wenn und Aber. Alles nur Gelaber 😉

Vielleicht spielt auch das eine Rolle: Dänemark hat mehr Küstenmeter als Einwohner. Rein rechnerisch stehen jedem Dänen Pi mal Daumen 1,25 Meter zu – kein Wunder also, dass man in Dänemark mit dem Auto vielerorts an den Strand fahren darf. Ja, mit dem Blick übers Meer da dann so gemütlich sitzen und vom Nichtstun auszuruhen, das ist schon toll. Oder hygge. Oder wat weiß ich. Jedenfalls kann man das Leben so gut genießen …! Sicher nicht ohne Grund zählen die Skandinavier, so jedenfalls der World Happiness Report, zu den glücklichsten Menschen der Welt.

Das ist uns noch aufgefallen: Auf den rund 1.000 Kilometer allein durch Dänemark hat uns nicht eine einzige Autobahn-Baustelle behindert – welch Gegensatz zu Schleswig-Holstein auf der A 1 und der A 7 – und nicht viele Dänen fahren dort die erlaubten 130 km/h. Liegt das an den hohen Spritpreisen? Keine Ahnung. Jedenfalls habe ich mich dieser Fahrweise gerne angepasst, es war ein entspanntes Fahren und mein kleiner Knatterton hat wohl noch nie so wenig Durst gehabt wie auf dieser Reise: Pi mal Daumen 4 Liter Diesel. Damit genug der Subjektivität – und nach DK ist vor DK: Nächste Woche wollen wir mal ein paar Tage Richtung Tondern juckeln, bevor der Job wieder ruft. Det skal nok gå 😉

Wem das bis hier her zu viel Hygge, zu viel Lobhudelei war: Ein hab‘ ich noch, morgen: Grænzenlos [?] – quasi ein Contra zu diesem Pro.


015 [Inhaltsverzeichnis]