Herbst 2022

De Sünn, de doch so flietig weer,
se wordt nu moi, se kann nich mehr.
Se hett de ganzen Sömmer unverdroten
hör Warmt un Lucht doch up uns schoten.

Plattdütsch von Rudi Rabe

Herbst ist, wie jedes Jahr, wenn die Strandkörbe am Strand schwinden …

… und zum Abtransport bereit stehen. Herbst 2022 ist, wenn Mann sich fragt, ob der Preis für die Strandkorbmiete an den Preis der Eiskugeln gekoppelt ist 😉 Eiskugel 2011 = 90 €-Cent, 2022 = 1,80 €uro. Strandkorb 2011 = 8,00 €uro, 2022 guckst du aufs Bild 😉 Touri-Abzocke? Oder einfach nur Inflation?

Herbst ist, wenn bei uns an der Bucht Ruhe einkehrt. Herbst 2022 ist, wenn Mann Klagen von Gastronomen und Strandkorbvermieter hört: „Das Jahr hätte besser laufen können, die Leute schauen in diesem Jahr auch im Urlaub mehr aufs Geld.“ Sind das Klagen auf hohem Niveau?

Na ja, so ist das. Herbst ist auch, wenn sich langsam die Blätter färben und die wenigen Touris, die noch hier sind, parken wie sie wollen.

Herbst ist, wenn die Leute die Regenschirme raus holen. Das war schon immer so. Herbst 2022 ist, wenn niemand über den Regen meckert – außer Meckerbüdels, die so wie so nur meckern. Ja, unser Grundwasser kann jeden Regentropfen gebrauchen. Und daran wird sich allen Prognosen nach in der Zukunft nichts ändern.

Herbst ist, wenn draußen das Thermometer einstellig wird. Das ist normal zu dieser Jahreszeit. Herbst 2022 ist, wenn Mann versucht die Temperatur im Wohnzimmer bei 20 Grad zu halten und sich lieber eine Jacke überzieht.

Verblüht sind Dalien und Ginster,
die Abende sind jetzt früher finster.
Die Rec
hnungen steigen für Gas und Licht,
mein Portemonnaie nimmt ab, ich leider nicht
😉
Reimvariante von Sven Meier


032 [Inhaltsverzeichnis]

Wenn es gut ist, Letzter zu sein!

Ab heute ist Herbst (für die Meteorologen)

Dat is nu mol so. Und deshalb blickt der DeutscheWetterDienst Ende August immer auf seine bzw. die drei Sommermonate Juni bis August zurück. In Kurzform: Hitzerekorde im Norden Deutschlands bis an die Küste, historische Trockenheit im Westen, Niedrigwasser und ausgetrocknete Flussläufe, Blaualgenplagen, zahlreiche Rekordwaldbrände, Trinkwassernotstände – oft Seite an Seite mit regionalen Starkregenfällen und Überflutungen. Der Sommer 2022 gehört zu den vier wärmsten in Deutschland seit 1881.

Grenzübergang bei Tondern, DK. Wenn Schleswig-Holstein der „echte Norden“ ist, was ist dann Dänemark als unser nördlicher Nachbar? Auf alle Fälle weniger arrogant?

Der „echte Norden“ ist Schlusslicht

Schleswig-Holstein (NDR-Link-Bild-oben) war im Sommer 2022 die kühlste Region in Deutschland. Hitzerekorde gab es dennoch: So wurde bspw. in Grambek, südlich Lübeck, am 20. Juli mit 39,1 °C ein neuer Bundeslandrekord aufgestellt und in Hamburg gab es für die Stadt an dem Tag einen Allzeitrekord mit 40,1 °C. Die Sonne strahlte hier im „echten Norden“ allerdings nur 740 Stunden und war damit das Schlusslicht im deutschen Sonnenscheinranking. Das war auch gut so! Nicht gut: Niederschlag fiel trotzdem auch bei uns viel zu wenig und das ist eine große Gefahr für unsere Grundwasserbestände.

Auf der Suche nach erholsamen Plätzen

Natürlich waren hier bei uns die Strände voll, gilt die Lübecker Bucht doch als Badewanne für das gesamte Hinterland, auch für die Hamburger. Einerseits kann ich jeden verstehen, anderseits frage ich mich oft, warum sich die Leute das antun: Staustress bei der An- und Abreise, volle Parkplätze gleich volle Strände, natürlich alles gegen Entgelt, nix is hier ümsünst, im Gegenteil, olls is düer! 😉 Aber das muss natürlich jeder selber wissen.

Zum Glück kennen wir den ein oder anderen Platz, der nicht so überlaufen ist. Fehmarn bspw., wenn man nicht gerade an den Südstrand fährt, sondern auf die andere Seite der Insel. Oh je, wie vertrocknet alles ist. Am Horizont, das sind übrigens Windmühlen vor Dänemark, Luftlinie rund 20 km entfernt. Da so queer rüber wird jetzt ein Tunnel gebaut. 2029 soll der fertig sein. Dann kann man rund 18 Kilometer unter der Ostsee durchfahren.

Ich bin kein Stadtmensch

Im Juli musste ich ein Wochenende dienstlich nach Berlin / Potsdam. Die Hauptstadt war im Sommer 2022 die wärmste deutsche Region und mit rund 795 Stunden schien die Sonne ausgesprochen oft. Das war quasi bezahltes Schwitzen – denn selbst wenn ich meinen Job ehrenamtlich & freiwillig mache, so doch gegen eine Aufwandsentschädigung. In meiner Freizeit hätte ich mir das nicht angetan 😉 Aber wenigstens hatte ich zwischendurch ein bisschen Zeit und konnte mir, wie hier im Glienicker Schlossgarten, schattige & idyllische Plätzchen mit Seeblick suchen.

Vis-à-vis befindet sich die geschichtsträchtige Glienicker Brücke – so habe ich im Schweiße meines Angesichts auch noch etwas für meine Bildung getan 😉 Schaut man genau hin, dann hatte die Havel wohl auch schon mal etwas höheren Wasserstände.

Nachdenkliche Aussicht / Resignation?

Sven Plöger, ARD Meteorologe & Klimaexperte, gehört neben vielen anderen Leuten vom Fach seit vielen Jahren zu den ewigen Mahnern bezüglich des Klimawandels und dessen Folgen. Seine Aussage vom Montagabend aus der ARD-Doku Die große Dürre (ab Minute 30:42) macht a) nachdenklich und zeigt b) m. E. eine gewisse Resignation:
„Das Ganze ist schon etwas, was mich seit Jahren emotional berührt. Und das liegt eben daran, dass man sich jetzt seit so vielen Jahren damit beschäftigt, dass man seit so vielen Jahren sieht, was sich wohl ändern wird, dass man spürt, die Dinge kommen so wie vorhergesagt – und doch sieht, wie langsam sich Gesellschaften verändern. Das ist offensichtlich menschlich, leider auch bedauerlich und ein Stück weit tragisch.“ Tja, up Platt seggt wi: Een kann nich so dösig dinken as dat kamen kann. Isso!


026 [Inhaltsverzeichnis]