als oder wie … und der „Schimpansen Test“

Moin. Erst lese ich heute das über Trump, dann schickt mir mein Spezi dieses Cartoon zu. Zusammen ist das natürlich eine Steilvorlage … 😉

„Bildung, das ist eine Zier, doch ich komm‘ auch weiter ohne ihr!“ würde mein Oppa vielleicht sagen. Der hatte immer für alles irgendwelche Sprüche parat.

Nee, im Ernst: Mir wurde damals noch eingebläut, wann es es als oder wie heißt, ebenso das mit dem gleichen und selben. Es macht schon einen Unterschied, ob Frau P. und ich ein gleiches Stück Kuchen essen, oder (wir uns) dasselbe (teilen müssen) 😉 Vielleicht liegt das auch daran, dass in meiner Alten Heimat, der Hannover-Ecke, angeblich das reinste Hochdeutsch gesprochen wird. Keine Ahnung. Jedenfalls habe ich irgendwann irgendwo mal gelesen, dass selbst der Duden das nicht mehr so eng sieht, weil regional viel zu oft die Regeln umgangssprachlich keine Anwendung finden. Sagt man nicht irgendwo grundsätzlich als wie, nach dem Motto, nimmst’e beide Wörter, kannst’e nix verkehrt machen? 😉

Mittlerweile ist mir das schnurzpiepegal. Zumal ich nicht weiß, ob der Dativ nicht nur dem Genitiv sein größter Feind ist, sondern auch …, aber lassen wir das. 😉 Viel wichtiger ist mir die Allgemeinbildung. Während Trump in den USA die Abschaffung des Bildungsministeriums fordert, haben wir gleich 17 davon. Im Bund plus in jedem Bundesland. Der Föderalismus lässt grüßen – wenngleich sich nicht wenige eine bundeseinheitliche Zuständigkeit wünschen. Bei alledem: Wichtig ist doch, was hinten raus kommt. Und das lässt bisweilen – ganz allgemein – zu wünschen übrig. Schade. In unserem digitalen Zeitalter haben wir Zugang zu allen möglichen Informationsquellen – nur nützen müssten wir die und bei vorhandener Medienkompetenz würden es auch nicht die falschen sein. Tatsächlich gibt es sozialwissenschaftliche Studien, die da eine Korrelation beim Wahl- und Krisenverhalten aufzeigen.

Hans Roslings „Schimpansen-Test“

Hans Rosling († 7. Februar 2017) war ein schwedischer Medizinprofessor und Gründer der Stockholmer Gapminder-Stiftung. Ziel der Stiftung ist es, eine auf Fakten beruhende Weltsicht zu fördern. Rosling hat dazu einen Test entwickelt, den er selbst in seinen Vorträgen als „Schimpansen-Test“ vorstellte. Dabei wird das Wissen von Affen mit jenem der Menschen verglichen. Bei drei möglichen Antworten beantworten die Primaten nach dem Zufallsprinzip logischerweise ein Drittel der Fragen richtig. Damit schneiden sie in Summe durchweg besser ab als die menschlichen Testteilnehmer. Das bedeutet, dass wir Menschen die Welt oft anders wahrnehmen als sie wirklich ist. Kein Wunder: Unser Wissen wird durch die Medien geprägt, was wir sehen und lesen, nehmen wir als Realität wahr. Allerdings ist die große Anzahl von Kolumnen, Kommentare und Experten-Meinungen per se subjektiv. So können realitätsferne Bilder entstehen, die sich bei uns manifestieren. Ein spannendes Thema – nicht nur in der Soziologie!

Vielleicht ist es wirklich so, wie der Ökonom Frank Knight schon 1921 in seinem Buch Risk, Uncertainty and Profit schrieb: „Es dürfte die meisten Menschen überraschen, wenn ihnen erstmals ernsthaft klar wird, welch kleiner Teil ihres Tuns auf akkuratem und umfassendem Wissen beruht.“ (H. Müller im SPIEGEL) Ja, ich will dem nicht widersprechen. Und vielleicht würde manche Meinungsumfrage anders ausfallen, würden die Befragten eben über dieses akkurate und umfassende Wissen zu dem Thema verfügen. Gleiches gilt für so manche politische Forderung …, oder sind das nur populistische Äußerungen um des eigenen Vorteils willen? Der Verdacht besteht.


018 [Inhaltsverzeichnis]

Det skal nok gå

In diesen vier Worten – so wird gesagt – verbirgt sich die Lebenseinstellung der dänischen Nation. Frei übersetzt:
„Es wird schon irgendwie gehen.“
Claus Ruhe Madsen, gebürtiger Däne, seit Juli (parteiloser) Wirtschaftsminister in der SH-Landesregierung (Günther II), hat das ganz diplomatisch (Anfang Juli in einer dänischen Zeitung) so ausgedrückt hat:
In Deutschland geht es stärker in Richtung geordnet und in Skandinavien stärker in Richtung kreativ. Beides ist extrem wichtig. Da hat Schleswig-Holstein vielleicht einen Vorteil, weil es beides anbieten kann.“

Werbung in eigener Sache:
Dänemark-Bilder im
Foto-Blog von Frau P.:
Dänemark – 1234 – vom Juli 2022

Ich finde es immer wieder …, ich sag‘ mal faszinierend, wie unsere dänischen Nachbarn mit gleichen Situationen gelassener, pragmatischer umgehen als wir in Deutschland. Beispielsweise sagte der dänische Journalist Gwyn Nissen Ende Januar im NDR zum Umgang mit der Corona-Pandemie: „Es ist die dänische Lässigkeit auf der einen Seite und die deutsche Angst auf der anderen.“ Aber: Ist es wirklich die im Ausland oft zitierte „German Angst“, oder wird nicht einfach liebend gerne diese Stereotype bedient?

Meine These dazu ist ja seit je her, dass das medial viel mit Hegels Dialektik, These-Antithese-Synthese, zu tun hat. Erst die Meldung, dann finden sich immer welche, die das anders sehen – de klööksten Stüerlüüd sitt jümmer op’t Dröge – und am Ende wird alles von Experten irgendwie eingeordnet. Oder so ähnlich. Dieses mediale Breittreten von Themen bis zum Tz kann verwirren und schlussendlich wissen nur noch wenige, was wirklich Phase ist.

Zwei Beispiele aus dem Juli:
1) In einer dänischen Online-Zeitung ist zu lesen: De danske forbrugerpriser steget med 8,2 pct. på et år / Die dänischen Verbraucherpreise stiegen in einem Jahr um 8,2 %. Der Artikel hat es auf der Seite nie in die Tabelle der meist gelesenen geschafft. Und in Deutschland? Ein mediales Dauerthema.
2) Als Mitte Juli die Gasleitung Nord Stream 1 in Russland wegen Wartungsarbeiten geschlossen und in Deutschland tagelang debattiert wurde, ob danach wieder Gas strömen würde, und wenn nicht, was das bedeuten würde, gab’s in Dänemark wenig darüber zu lesen. Das Thema wird erstmal zur Kenntnis genommen und man wartet ab, viel mehr nicht. Danmarks gaslagre ligger i to landsbyer – og der er nok til flere måneder / Dänemarks Gasspeicher befinden sich in zwei Dörfern – und es gibt genug für mehrere Monate – war dann auch eher ein beruhigender Sachstandsbericht als wilde Spekulation.

Das ist – für mich – dieses Det skal nok gå, Es wird schon irgendwie gehen. In Deutschland hingegen wurde kommentiert: Angstdebatte ums Gas nützt Putin, als wenn der ARD-Kommentator Mario Kubina damit sagen will, dass auch auf tagesschau.de zu viel über das Thema berichtet und so nur Angst geschürt wird. Ach ja, Kurt Tucholsky hatte schon vor rund 100 Jahren recht: „Nähme man den Zeitungen den Fettdruck: um wieviel stiller wäre es in der Welt!“

Um nicht missverstanden zu werden: Ich weiß, Äpfel und Birnen: Dänemark ist ein paar Nummern kleiner als Deutschland, knappe 6 gegenüber mehr als 83 Millionen Einwohner. Und die Medienlandschaft auf dem kleinen dänischen Markt ist sehr überschaubar und wird subventioniert – kaum zu vergleichen mit dem zwanzigmal größeren deutschsprachigen D-A-CH-Raum, wo die vielfältigen Massenmedien mit allen Mitteln, auch unlauteren und bisweilen an die niederen Instinkte gerichtete Angebote, um gewinnbringende Marktanteile kämpfen. Dass dabei die Qualität oft auf der Strecke bleibt, versteht sich von selbst.
Das ändert m. E. aber nix an der grundsätzlich zufriedeneren Lebenseinstellung unserer nördlichen Nachbarn und dass eins ihr Ding NICHT ist: Das boulevardeske & typisch deutsche Hätte, Wenn und Aber. Alles nur Gelaber 😉

Vielleicht spielt auch das eine Rolle: Dänemark hat mehr Küstenmeter als Einwohner. Rein rechnerisch stehen jedem Dänen Pi mal Daumen 1,25 Meter zu – kein Wunder also, dass man in Dänemark mit dem Auto vielerorts an den Strand fahren darf. Ja, mit dem Blick übers Meer da dann so gemütlich sitzen und vom Nichtstun auszuruhen, das ist schon toll. Oder hygge. Oder wat weiß ich. Jedenfalls kann man das Leben so gut genießen …! Sicher nicht ohne Grund zählen die Skandinavier, so jedenfalls der World Happiness Report, zu den glücklichsten Menschen der Welt.

Das ist uns noch aufgefallen: Auf den rund 1.000 Kilometer allein durch Dänemark hat uns nicht eine einzige Autobahn-Baustelle behindert – welch Gegensatz zu Schleswig-Holstein auf der A 1 und der A 7 – und nicht viele Dänen fahren dort die erlaubten 130 km/h. Liegt das an den hohen Spritpreisen? Keine Ahnung. Jedenfalls habe ich mich dieser Fahrweise gerne angepasst, es war ein entspanntes Fahren und mein kleiner Knatterton hat wohl noch nie so wenig Durst gehabt wie auf dieser Reise: Pi mal Daumen 4 Liter Diesel. Damit genug der Subjektivität – und nach DK ist vor DK: Nächste Woche wollen wir mal ein paar Tage Richtung Tondern juckeln, bevor der Job wieder ruft. Det skal nok gå 😉

Wem das bis hier her zu viel Hygge, zu viel Lobhudelei war: Ein hab‘ ich noch, morgen: Grænzenlos [?] – quasi ein Contra zu diesem Pro.


015 [Inhaltsverzeichnis]

Erstens, zweitens, drittens … und tschüss!

Erstens: Nix is ungesunner as’n Krankheet. Isso!

Mein Herr Bechterew war mal wieder zu Besuch. Nix gegen Besuche, aber der kann mir gestohlen bleiben. Nur macht der sich nix daraus, kommt und geht wie er will. Klar, Mann kann sich bis zur Schmerzfreiheit abschießen, aber schon der olle Paracelsus wusste: Die Dosis macht das Gift. Oder so ähnlich. Na ja, ich nehme jedenfalls nur das Nötigste und gehe ansonsten in den Schonmodus über – sprich lieber vor der Glotze liegen als vor dem PC sitzen. Und so’n paar Dinge kann Mann auch in der Waagerechten via Smartphone erledigen. Zum Beispiel Antworten auf die Frage finden, was wir im kommenden Sommerloch so unternehmen könnten?

Nein, es geht nicht in den deutschen Süden. Noch nicht. Vielleicht im Herbst. Jetzt ist erstmal der Norden angesagt. Einmal rauf und wieder runter. So in der Reihenfolge:
– Von zuhause bis Flensburg und vor der Grenze volltanken! Alle, die hier über die hohen Spritpreise klagen, würden in Dänemark aus dem Jammermodus gar nicht mehr raus kommen.
– Weiter über Esbjerg nach Blavand an die Nordseeküste, Bekannte besuchen und sich dort von den ersten Reisestrapazen erholen 😉
– Danach geht’s irgendwie in den dänischen Norden, Richtung Skagen.
Ich will endlich mal mit dem linken Fuß in der Nord- und mit dem rechten in der Ostsee stehen!*
Via booking.com-App habe ich vom Sofa aus im rückenschonenden Liegemodus erstmal für ein paar Tage eine FeWo in Jerup gebucht.
Ich liebe diese App!
Das funktioniert übrigens auch gut von unterwegs: Mal angenommen, wir würden auf der Rücktour noch irgendwo ein, zwei Tage bleiben wollen: booking.com-App befragen, irgend etwas findet man immer, zwei, drei Klicks, schon ist gebucht. Bestätigung kommt via Mail aufs Smartphone und gut ist. Na mal sehen. Die nächste Woche ist noch voller Termine und danach geht’s los. So jedenfalls der Plan 😉

Zweitens: (Mich) verwirrende Nachrichtenlage

Wie gesagt, das Sofa und der Fernseher waren in der letzten Zeit meine liebsten Freunde. Ok, sonst waren ja auch keine hier 😉 Na, und so beim Zappen durch die Sender habe ich mich irgendwann gefragt, ob alle Nachrichtensender vom selben Planeten berichten?

Also, ich habe bisher immer geglaubt, wir haben eine globale Klimakrise, haben eine globale Corona-Pandemie und einen Krieg in der Ukraine mit all seinen globalen Auswirkungen. Scheinbar habe ich mich geirrt 😉 Ergo: Zuviel Nachrichten tragen (bei mir) zur Verwirrung bei. Oder wie Peter Scholl-Latour wohl heute sagen würde, würde er noch unter uns weilen: Leute, das habe ich euch doch schon 2014 gesagt:

Ende 2013, Anfang 2014, Euromaidan, Proteste in der Ukraine. Ihr erinnert euch? Auch von offiziellen Stellen wurden seinerzeit die Berichterstattungen kritisiert und der Deutsche Presserat hat jüngst in diesem Frühjahr erst wieder die Medien an ihre Verantwortung im Umgang mit dem Ukraine-Krieg erinnert. Nicht ohne Grund!

Drittens: Ideologische Meckerbüdels – oder wat?

Mich wundert derzeit, dass so’n paar Politiker ständig wat zu meckern haben und immer wieder ihre ollen Ideologien hervorkramen. Speziell zurzeit den Weiterbetrieb der drei deutschen Atomkraftwerke, die nach Gesetzeslage zum Jahresende abgeschaltet werden müssen, und den Widerstand gegen das Aus für Pkw-Verbrennungsmotoren ab 2035, wie es die EU beschließen will. Was soll das denn? Von keinem der Atomkraftwerke-Eigner habe ich bisher gelesen, dass die sich einen Weiterbetrieb überhaupt vorstellen können. Im Gegenteil, sie weisen auf die vielfältigen Probleme hin, würde die Regierung sie dazu verpflichten – was die keinesfalls vorhat. Und die Diskussion, Verbrennungsmotoren weiter zu gestatten, so sie denn mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden, ist doch eine unsinnige. Alle großen Automobilhersteller haben unisono erklärt, ihren Schwerpunkt auf die E-Mobilität zu legen. Synthetische Kraftstoffe sind zwar herstellbar, aber dazu müssten wir erneuerbare Energie im Überfluss haben – was absehbar nicht der Fall sein wird. Die Argumente sind die gleichen wie beim Wasserstoff, nur schlimmer:

Liebe Meckerbüdels: Kümmert euch bitte um das, was zurzeit wichtig ist, macht praktikable Vorschläge in dieser Krisenzeit und führt keine ideologisch motivierten Scheindebatten, die niemandem helfen – außer vielleicht eurem Ego.

Dazu fällt mir ein Satz von Henry Kissinger ein: „A political realist believes in values, but he also knows what is feasible.“ Ein Realpolitiker glaubt an Werte, er weiß aber auch, was machbar ist. Dieses Wissen scheint nicht bei allen Politikern vorhanden zu sein. Oder es geht nur darum, einem anderen ans Bein zu pinkeln – beides nicht gut.

* Bevor nu’n Klookschieter kommt und mir das mit der Nordsee, dem Skagerrak, dem Kattegat und der Ostsee erklären will: Ich kenne das – und die unterschiedlichen Definitionen dazu. Für meine Illusion werde ich jedoch mit einem Bein in der Nordsee und mit dem anderen in der Ostsee stehen. Punkt! 😉

So liebe Leute, ich bin dann mal in meinem alljährlichen Sommerloch. Irgendwann, in ein paar Wochen, geht’s hier weiter. Vielleicht gibt’s zwischendurch von Frau P. aus G. ein paar Fotos, mal sehen. Genießt die Sommerwochen, bleibt gesund und lasst uns gemeinsam hoffen, dass das Töten in der Ukraine bald aufhört.

Bis denne! Und tschüss!


012 [Inhaltsverzeichnis]