Mainstream vs. False Balance

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Mainstream in den Massenmedien? Fehlt die Ausgewogeneheit?

Wenn Massenmedien besonders über den Umgang mit Krisen berichten, weicht das bisweilen von den Meinungen großer Teile der Bevölkerung ab. Nur ein Beispiel: Lockerungen während Corona, März 2021, als sich selbst das ZDF überrascht zeigt. So entsteht häufig der Eindruck, die Medien in Deutschland seien von der Politik manipuliert. Falsch, denn eins sind sie mit Sicherheit eines nicht: Vollzugsorgane einer staatlicher Meinungsmache.

Dennoch: Das Vertrauen in unsere Medienlandschaft ist Umfragen zufolge nicht sehr stark ausgeprägt – wobei den Öffentlich-Rechtlichen, besonders der Institution Tagesschau, immer noch eher Glauben geschenkt wird als den Privaten. Dabei steht die These im Raum, dass der Meinungspluralismus in Deutschland nur vorgetäuscht ist, denn Meinungen, die vom Mainstream abweichen, würden von den Massenmedien unterdrückt. Ist das wirklich so?

False Balance – wird den Minderheitsmeinungen zu viel Raum gegeben?

Wahrscheinlich kann man es machen wie man will, man wird es nie allen recht machen können. Für die einen kommen Minderheitenmeinungen zu kurz, für andere wird ihnen zu viel Raum gegeben. Je nach Standpunkt. Eine Moderatorin eines Politmagazins hat das mal so ausgedrückt: Solange sich die Vorwürfe einer unausgewogenen Berichterstattung die Waage halten, scheinen wir ausgewogen zu berichten. Dennoch sollte es m. E. Grenzen geben: Wer in Deutschland glaubt, nicht mehr in einer Demokratie zu leben, wer eindeutig widerlegbare Falschinformationen – Fake News gleichsam wie Alternative Fakten – verbreitet und / oder Verschwörungstheorien propagiert, der hat für mich in keiner Sendung, in keiner Reportage etwas zu suchen.

no comment 😉

So weit, so gut. Das Dilemma dabei: Schließt man die Verblendeten aus … siehe oben, Absatz 1. Gewissermaßen drehen wir uns so im Kreis. Dabei ist m. E. für jede Debatte ein Konsens über das allgemein Anerkannte eine Grundvoraussetzung, weil wir sonst keine gemeinsame Sprache sprechen und dann jede Diskussion von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Deshalb kommt den Medien als Vierter Gewalt eine immense Verantwortung zu und die Frage ist, ob sie der immer gerecht werden? Die prominenten Intellektuellen Richard David Precht, Philosoph, und Harald Welzer, Soziologe, sagen in ihrem vor kurzem erschienen Buch: NEIN!

Kommentar von H. Welzer am 21.10.22 in einem Interview: „Der beste Beleg für die Richtigkeit unserer Thesen ist, dass unser Buch in den Medien verrissen wird, in den Bestsellerlisten aber auf Platz 1 steht. Deutlicher kann man gar nicht sehen, dass die Medienmeinung nicht der Mehrheitsmeinung entspricht.“

Ihre Thesen: Die Leitmedien berichten nicht nur über Politik, sie machen sie auch. Massenmedien bauschen oft hyperventilierende, nicht repräsentative, eventuell sogar von irgendwelchen Interessengruppen gesteuerte Debatten aus den sozialen Netzwerken auf, oder übernehmen ungeprüft lobbyierende bzw. geframte Agenturmeldungen, und blenden dabei (mögliche) Mehrheitsmeinungen aus. Medien-Macher werden so zu Handwerkern von Minderheiten – oder schlimmer noch: Sie unterliegen oft einem journalistischen Herdentrieb und orientieren sich weniger an der Realität, sondern mehr an dem, was ihre Kolleginnen und Kollegen anderer Medien so schreiben. Beste Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit sind das Lachen von Möchtegernkanzler Armin Laschet und das Bobbycar des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Der eine wurde nie Kanzler und der andere trat zurück. Die Macht der Medien als Vierte Gewalt? Das kann man so sehen, muss man aber nicht 😉

Anmerkung:
Mein Journalistenfreund S. meinte, die Medien, das klingt, wie die Bundesliga hat ein ausgeglichenes Punktekonto.
Ok. Natürlich gibt es wie in der Bundesliga auch in der Medienlandschaft qualitative Unterschiede, die einen mit mehr Punkte/Vertrauen, andere mit weniger. Diese Übersicht aus dem Jahr 2019 hatte ich für meinen alten Blog gebastelt und ich denke, viel wird sich daran nicht geändert haben. Grundsätzlich mag gelten, wie oben erwähnt, dass den Öffentlich-Rechtlichen eher Vertrauen entgegengebracht wird als den Privaten (Medien). Die einen versuchen zumindest ihrem gebührenfinanzierten Auftrag gerecht zu werden, verifizierte Informationen zu verbreiten, bis dahin, dass anderen so ziemlich jede Meldung nur als Mittel zum Zweck dient, um damit Geld zu verdienen.

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3. Oktober 2022 / aktualisiert am 26. Oktober 2022
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