#Twitter? Kann man nicht ernst nehmen!

Besser vielleicht: Kann man NICHT MEHR ernst nehmen

Moin. Mann kommt zu nix. Irgendetwas war die letzten Tage immer, immer morgens: Von A wie Auto zur Inspektion bringen, über M, wie Meier neuen Monitor kaufen, weil das Geflacker vom betagten alten mir auf den Geist ging, bis zu Z, wie Zahnarzt – der zum Glück überhaupt nicht gebohrt hat. Das hat alles mein Morgenritual, drei Pötte Kaffee und am Rechner schauen, was so los ist, durcheinandergebracht. Egal, für Schnelldurchgänge und einen Pott hat’s gereicht, wat mutt dat mutt, so isses eben.

Seit eh und je gehört für mich morgens ein Blick auf die Twitter-Timeline dazu. Ich war zwar nie ein Viel-Twitterer, bin es heute weniger denn je, aber aus reiner Neugierde interessieren mich schon die täglichen Wasserstandsmeldungen. Nach über 10 Jahren stelle ich für mich fest: Twitter war noch nie so substanzlos wie heute. Repräsentativ ist der Messenger ohnehin nicht und heute noch weniger, als er es vielleicht mal war. Nee, nee, was da so abgeht, an Hass und Hetze, ein Shitstorm folgt dem nächsten, da frage ich mich, inwieweit wirklich Menschen dahinterstecken oder wie hoch der Anteil ferngesteuerter Bots ist, oder der von Schreiberlingen mit Fake-Accounts, die für Propaganda bezahlt werden.

Ich sag’s mal so:

Wenn alle Politiker zurücktreten würden, die per Hashtag #Rücktritt via Twitter dazu aufgefordert werden, hätten wir seit Jahren keine funktionierenden Regierungen mehr. Weder eine solche noch eine solche.

Gestern musste ich dann doch grinsen: Der SPIEGEL erklärt Robert Habeck zu einem der beliebtesten deutschen Politiker, natürlich umfragegestützt 😉 und dass er der bessere Kanzler als Olaf Scholz wäre – und auf Twitter trendet #HabeckRuecktritt. Hallo? Gegensätzlicher geht’s nun wirklich nicht. Das sagt viel über das Twitter-Niveau aus.

Befeuert werden solche Obermotze bspw. von Politikern wie Wolfgang Kubicki und Journalisten wie Nikolaus Blome, die beide via Twitter die Öffnung der Nord-Stream-2-Gasleitung fordern. Ok, das fordert gefühlt halb Ostdeutschland, glaubt man so manchen ostdeutschen Politikern, aber das macht es nicht besser.

Neu im Club der Wadenbeißer ist Julian Reichelt. Ihr erinnert euch, der Ex-„Bild“-Chef? Wird das ein zweiter Boris Reitschuster im rechtspopulistischen Alternativmedien-Sammelsurium mit eigenem YouTube-Kanal? Der eine war mal bei Burda/Focus, der andere bei Springer/Bild. Na ja, am Arsch vorbei führt auch ein Weg 😉 Und ganz ehrlich: Ich möchte in dieser Krise kein Politiker sein: Egal was sie machen, sie machen es für die Breitschusters & Reichelts dieser Nation verkehrt. Das noch: Ich kann jeden Prominenten / Politiker verstehen, der mittlerweile seinen Twitter-Account gelöscht hat. Es geht auch ohne!

Bevor die Frage kommt: Warum folgst du dann diesen Leuten? Nee, folge ich nicht! Nie nicht! Aber den Twitter-Algorithmus, was wem in die Timeline gespült wird, kann ich nun mal nicht ändern. Also sieht’s oft und immer öfter so bei mir aus: Twitter auf, aha, wieder viel Blödsinn, Twitter zu: Kann man wieder mal nicht ernst nehmen.

Elon Musk und Twitter

Wenn ich mich hier schon über Twitter auslasse, darf ein Absatz zu Elons Musk natürlich nicht fehlen. Vielleicht habt ihr noch eine Meldung aus dem April auf dem Schirm, dass Elon Musk (PayPal, Tesla, SpaceX) Twitter für 44 Milliarden Dollar übernimmt. Seinerzeit habe ich mir gedacht, dass der (meiner Meinung nach) ebenso geniale wie verrückte Visionär Musk nicht Musk wäre, hätte er sich nicht eine Hintertür aufgelassen. Somit hat mich die Meldung, dass er den Deal platzen lassen will, auch nicht gewundert. Letztlich geht es darum, dass Twitter scheinbar nicht die korrekte Zahl der Spam- und Fake-Konten angeben kann. Es gibt berechtigte Zweifel, dass das nur die offiziell angegebenen 5 Prozent sind. Gefühlt würde ich da noch eine null dranhängen. Das ist natürlich subjektiv, objektiv lässt sich mit solchen ferngesteuerten Konten jedoch kein Geld verdienen. Und Musk wäre nicht einer der reichsten Menschen der Welt, würde er Geld verschenken. Sollte er dennoch Twitter übernehmen (müssen), dürfen wir gespannt sein. Nicht wenige Experten meinen, der Mikrobloggingdienst wäre danach nicht wiederzuerkennen. Kann es schlimmer werden als heute?

In dem Sinne 😉


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11 Gedanken zu “#Twitter? Kann man nicht ernst nehmen!

  1. Der Wilhelm 26. August 2022 / 11:20

    Tja, Twitter.

    Mit wenigen Worten gesagt:
    Da war ich noch nie ein Fan von…

    Oder ausführlicher:
    Für mich ist diese Plattform inzwischen genauso wenig nutzbar wie Facebook&Co, seit die Algorithmen da die Fäden in der Hand haben und die Inhalte der Timeline vorgeben.
    Einziger Vorteil von Twitter: wenn man nach bestimmten Hashtags filtert, kann man sich bei Demos oder anderen Grossereignissen schnell mal ein Bild machen, was gerade abgeht. Allerdings mit der Einschränkung, dass manches auch reichlich übertrieben und überspitzt rüberkommt und man am Wahrheitsgehalt diverser Meldungen durchaus Zweifel hegen sollte…
    Denn viele davon haben kaum mehr Niveau als die Inhalte der Leserreporter in der Blöd, also in dem Springerorgan, das sich völlig unberechtigt „Zeitung“ nennt….

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    • Meier Sven 26. August 2022 / 16:45

      Moin. Jau. sehe ich auch so. Und so versuche ich alles zu meiden, was mit dem Zuckerberg-Imperium oder Alphabet-Inc. zu tun hat. Auf dem Smartphone nutze ich auch nur Android als Betriebssystem, alles andere, was Google noch so bietet und was einem das Leben angeblich angenehmer machen soll, versuche ich nicht zu nutzen, sondern Alternativen.
      Zu Twitter: Was du sagst, mit der #-Filterung, ist wohl der Grund, warum ich meinen Account noch nicht gelöscht habe. Zu bestimmten Anlässen oder für Recherchen kann das schon interessant sein. Man darf diesen Mikro-Bloggingdienst nur nicht überbewerten 😉

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  2. eleucht 26. August 2022 / 12:07

    Hallo aus Sachsen! Twitter ist kein Thema für mich, obwohl ich schon mal mit dem Gedanken gespielt habe. Facebook sowieso nicht. Es gibt ja nicht wenige, die das mit den Algorithmen nicht schnallen und alles, was ihnen in die Time-Line gespült wird, für die Mehrheitsmeinung halten. Von den Bots mal gar nicht zu reden. Ich nutze seit ein paar Jahren MeWe. Die sind als Alternative zu Facebook gestartet. Dort sind auch jede Menge Verschwörungstheoretiker unterwegs, klar, aber dort bestimme ich selbst die „Gesellschaft“ in der ich verkehre. Keine Algorithmen, die einem was unterjubeln. Kein Targeting. Viele Trump Fans, ja, aber die können unter sich bleiben. Deren Beiträge werden durch Algorithmen nicht weiter verbreitet. Ebenso wenig die Meinungen von Verschwörungstheoretikern. Blickt man mal auf eine Seite von denen, so sieht man, dass die Zustimmungswerte sich dort in Grenzen halten. Selbstbestimmung eben, auch was die Daten betrifft. Und weit weg von Marc Zuckerberg. :-))) Viele neue Freunde weltweit kennengelernt und bisher nur gute Erfahrungen damit gemacht. Wenn man sein Social-Media-Verhalten im Griff hat und nicht auf alles und jeden reinfällt, sehr empfehlenswert. Denn Bots sind dort natürlich auch unterwegs. :-)))
    Herzliche Grüße aus dem Vogtland.

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    • Meier Sven 26. August 2022 / 16:47

      Moin Eberhard. Danke für die Info, MeWe sagt mir überhaupt nix, Grund genug, mit das Teil mal näher anzuschauen.
      Und „weit weg von Marc Zuckerberg“ ist immer gut 😉
      grüße aus Ostholstein ins Vogtland. Bleibt munter!

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  3. smswp 26. August 2022 / 13:20

    Um meinen Kollegen zu zitieren: Twitter bräuchte zwei Schalter: einen für „Politik-Aus“ und einen für „nur Fußball“.

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  4. smswp 26. August 2022 / 14:08

    Dieser Satz noch, weil du von „Schreiberlingen mit Fake-Accounts, die für Propaganda bezahlt werden“, schreibst: Schlimmer sind die im Netz, die das aus Überzeugung tun und sich selbst als „sauber arbeitende Journalisten“ bezeichnen.
    🤔
    Ich werde mein Berufsethos gelegentlich überdenken 😉

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    • Meier Sven 26. August 2022 / 16:53

      Nochmal ich: Ja, richtig, das meine ich mit den „Breitschusters & Reichelts dieser Nation“. Schaut man sich im sog. „Alternativmedien-Spektrum“ mal so um, und da gibt es allein im Internet Seiten genug, findet man viele dieser „sauber arbeitende Journalisten“. Die haben auch ihre Leserschaft und bin ich wieder bei den oft zitierten „10% der Bevölkerung“, regional teils mehr, teils weniger. Ok, das bezieht sich auf Rechte. Zähle noch 5% Linke dazu 😉
      Und nein, so wie ich dich kenne, musst du dein Berufsethos nicht überdenken 😉
      Grüße in die Alte Heimat.

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  5. Stella, oh, Stella 26. August 2022 / 19:34

    Hm, ich war schon mit Instagram und Pinterest überfordert. Habe beides angefangen und bin da eigentlich nie. Mein Facebook Konto habe ich eigentlich nur noch, um mit ca. 10 Leuten in verschiedenen Teilen der Welt Kontakt über messenger zu halten. Ich konzentriere mich auf meinen Blog und die anderen Blogs, bei denen ich lese. Ab und zu bekommt man mal einen Blog im Reader vorgeschlagen, aber das hält sich sehr in Grenzen. Ansonsten kann man sich hier auswählen, was einen interessiert. So gefällt mir das am besten. Ich habe irgendwie keine Lust mehr auf all die anderen Plattformen. Von Facebook halte ich mich weg, weil der Umgangston dort ziemlich unter aller Würde ist. Twitter habe ich gar nicht erst angefangen und was es sonst noch alles gibt.

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    • Meier Sven 27. August 2022 / 6:50

      Moin Stella. Da geht es dir wie mir. Ich habe dit & dat auch mal ausgetestet, aber nö, nix für Meier, und tschüss. Alles was aus dem Hause Zuckerberg kommt, ist mir so wie so suspekt 😉 Und weißt du, was für mich das Schöne ist? Wir machen das hier alles freiwillig, niemand wird gezwungen oder ist verpflichtet und alles ginge auch ohne 😉
      Bleibe munter, wir lesen!

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      • Stella, oh, Stella 27. August 2022 / 9:52

        Schriftlich und mit Post wäre es schon bedeutend langsamer, den Kontakt mit Leuten zu halten, dafür schätze ich das Internet.

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